Schlagwort-Archive: Nominierung

Nominierung Dezember 2014: Ulf K.: Geschichten vom Herrn Keuner

nominierungkeunerBertolt Brecht und Ulf K.

Geschichten vom Herrn Keuner

Er sei „der größte Dramatiker des 20. Jahrhunderts“, sagte Marcel Reich-Ranicki einst über Bertolt Brecht. Und Ranicki, der größte Literaturkritiker des 20. Jahrhunderts, kannte sich schließlich aus.

Otto Normalverbraucher hingegen kann sich vielleicht gerade noch dunkel daran erinnern, während der Schulzeit irgendwas von Brecht gehört und, wenn es gut kommt, gelesen zu haben. Bei der „Dreigroschenoper“ fällt dann der Groschen. Eventuell auch bei „Mutter Courage“ und „Frau Carrar“.

Wer im Osten Deutschlands aufwuchs, schmetterte womöglich zum 1. Mai „Vorwärts und nicht vergessen, worin unsre Stärke besteht…“ – Brechts „Solidaritätslied“ (vertont von Kurt Eisler) aus dem Film „Kuhle Wampe“, bei dem Brecht am Drehbuch mitschrieb.
„Man muss schon Schnaps getrunken haben, eh man vor deinem Leibe stand, sonst schwankt man ob der trunknen Gaben, von schwachen Knien übermannt…“ – auch das ist Bertolt Brecht, der 1997 Dank Udo Lindenbergs musikalischer Interpretation seiner Liebesgedichte nicht zum ersten Mal Einzug in die Popkultur hielt.

So langsam schwant einem: Auch wenn man kein Theater- oder Literaturfachmann ist, kennt man doch mehr vom Brechtschen Werk, als man zu hoffen wagte.

Und nun begegnet uns Brecht sogar in Comicform wieder. Der großartige Ulf K., Grafiker, Comiczeichner und selbst ein grandioser Geschichtenerzähler, hat es geschafft, Brechts philosophische Texte um den fiktiven Herrn Keuner bildlich in Szene zu setzen. Mit seinen gewohnt charmanten klaren Zeichnungen gelingt es Ulf K. ausgezeichnet dem Leser aufzuzeigen, wie aktuell Brechts Gedanken, die er vor mehr als einem halben Jahrhundert Herrn Keuner in den Mund legte, heute noch sind und auch in Zukunft sein werden.

Von den insgesamt 87 Keunergeschichten hat Ulf K. 34 adaptiert. Darunter sind 4 Geschichten vom Herrn Keuner, die Ulf K. selbst mit einem Titel versehen hat, da dieser bei Brecht bislang fehlte. Erschienen sind die Comics erstmals in Stripform im Feuilleton der F.A.Z. vom September 2013 bis zum Januar 2014.

Und wie sieht er nun aus, dieser Herr Keuner? Na klar – wie eine perfekte Bertolt-Brecht-Comicfigur! Und somit setzt Ulf K. dem größten Dramatiker des 20. Jahrhunderts ein rundum gelungenes Denkmal.

Wir gratulieren zur Nominierung!

ali

Erschienen: 18.08.2014
suhrkamp taschenbuch 4517
Klappenbroschur, 133 Seiten
ISBN: 978-3-518-46517-2
www.suhrkamp.de/graphic-novel/ulf-k/geschichten-vom-herrn-keuner_1225.html

leseprobe

Nominierung Oktober 2014: Ulf Salzmann: Pillen, Rusz & Ratten

nomokt14Scheinbar vergessene Menschen und ihre Schicksale stehen im Mittelpunkt von Ulf Salzmanns neuen Geschichten, die aus den Schatten seiner Kindheit hervortreten und in seinen Kurz¬comics ihre Stimme finden.
Ob Fahnenflucht, Phobien, Mobbing oder Freitod – diese Schicksale werden wohl niemanden unberührt lassen. So extrem die Geschichten auch erscheinen, das wirklich Erschreckende ist: Sie alle sind wahr.
Ulf Salzmann erzählt in seinem Webcomic „Flausen“ regelmäßig kurze Episoden in vier Panels. Dass er auch andere Formate „kann“, beweist er nun mit seinem Comic „Pillen, Rusz und Ratten“.
In 5 Episoden begegnet uns ein völlig anderer Ulf Salzmann, als man ihn aus den eben erwähnten „Flausen“ kennt: Nachdenklich, sehr melancholisch. Seine tragischen Geschichten sind von einer großen Erzähldichte und reißen mit, regen zum Nachdenken über Ängste und Lebensschicksale an.
Interessant sein Panelaufbau: Meist „überdecken“ erklärende Fließtexte zusätzlich die Sprechblasen, dies fördert das Leseverständnis, ohne als „zu viel des Guten“ empfunden zu werden.
Das eher sehr düster und bedrückend wirkende Cover drückt die Tragik der Geschichten auf hervorragende Weise aus.
Wir empfehlen „Oillen, Rusz & Ratten“ und gratulieren zur Nominierung!

Pillen, Rusz und Ratten
Schwarzer Turm, Juni 2014
Text und Zeichnungen: Ulf Salzmann
64 Seiten, farbig, Softcover mit Klappenbroschur
Preis: 9,80 Euro
ISBN: 978-3934167711

pillen

Nominierung September 2014: David Füleki: 78 Tage auf der Straße des Hasses

nominsep15Premiere! David Fülekis „78 Tage auf der Straße des Hasses“ ist der erste Manga, der für den Goldenen Gartenzwerg nominiert wurde! „78 Tage auf der Straße des Hasses“ ist eine deutsche Comic-Serie im Manga-Stil von David Füleki, die ursprünglich ab 2008 bei Delfinium Prints in Heftform und nun im Taschenbuchformat und überarbeitet bei TOKYOPOP mit Band 1 erschien. Die Geschichte handelt von den beiden Soziopathen Roy und Def, die mordend durch das Land ziehen und dabei trashige Abenteuer voller popkultureller Abenteuer erleben. Der erste Story Act handelt vom Lausbuben-Battle-Royal, einem Turnier auf einer mysteriösen abgelegenen Tropen-Insel, welches auf Leben und Tod unter 40 Teilnehmern den größten Lausbuben der Welt ermitteln soll.
David Füleki ist eine Wandelgestalt. Nicht als Person freilich, sondern als Zeichner. Geschickt bedient er sich der zeichnerischen Klaviatur des Manga, ohne tatsächlich einen „lupenreinen“ Manga abzuliefern. Das mag verwirren, bedient aber gleichzeitig die Bedürfnisse klassischer Manga- wie Comicleser. Und dies erscheint dann wiederum ziemlich clever, vermag er so doch beide Lager nicht nur anzuziehen, sondern auch –irgendwie- zu vereinen, was in der Realität der Comic/Mangakunst selten genug passiert.
Liebhaber europäischer Comics mögen die Nase rümpfen ob der vielen Kulleraugen und mangaesker Speedlines, Freunde der japanischen Comickunst könnten verschreckt werden, wenn z.B. Pokemons nicht einmal beim Namen genannt, dafür grausamst hingemetzelt werden. Für Feingeister spielt Gewalt eine zu große, für Abgehärtetere eine zu harmlose Rolle. Klar finden sich da auch Sprüche, die auf Homophobie schließen lassen, doch: Sind die tatsächlich so gemeint oder auch fülekische Satire?
Kurzum: „78 Tage auf der Straße des Hasses“ ist ein Heidenspaß für diejenigen Leser, die gern auch über sich selbst lachen können. Füleki lässt sich gottseidank nicht auf eine festgelegte Art von Comickunst ein.
Im Prolog verkündet Denis Scheck zur Max- und Moritz-Gala in Erlangen, dass die „78 Tage“ „in allen Kategorien, sogar in denen, die inhaltlich keinen Sinn ergeben und extra erfunden wurden“ einen ersten Preis gewonnen haben. Das wird wohl für Erlangen und deren Befindlichkeiten erst einmal ein frommer Wunsch bleiben, bei uns jedoch ist es die erste Nominierung für den GOLDENEN COMICGARTENZWERG, wozu wir herzlich gratulieren! -thowi-

http://manga-madness.de/

Seitenzahl: 184
Verfügbar: 09.2014, bei TOKYOPOP
Genre: Comedy
Empfehlung: 15 Jahre +
ISBN: 978-3-8420-0400-9
5,00 EUR

Abstimmung: Goldener Comicgartenzwerg 2014

GARTENZWERG2014Der „Goldene Comicgartenzwerg“ ist der Comicpreis des Comicgartens Leipzig. Er wird an die unserer Meinung nach beste deutsche Comicproduktion des vergangenen Jahres, Zeitraum September bis Juli, verliehen. Der Comicstammtisch Leipzig wählt monatlich einen Favoriten. Die Nominierten gibt es nun im COMICFORUM in einer UMFRAGE. Ihr könnt also mitentscheiden!
Gleichzeitig gibt es eine Umfrage bei facebook.
Die Summe der Stimmen aus der Umfrage hier im CF und bei facebook ergibt 50 Prozent. Über die restlichen 50 Prozent entscheiden die Veranstalter des Comicgartens, die Mitglieder des Leipziger Comicstammtisches.
Wir würden uns über eine REGE BETEILIGUNG wirklich sehr freuen!
P.S.: Ihr könnt MEHRERE Eurer Favoriten auswählen, natürlich jedoch nur einmal!
Viel Spaß und den Nominierten viel Glück!

LINK ZUM COMICFORUM (Man kann sich via facebookaccount einloggen!)

LINK ZU FACEBOOK (Wahl per „gefällt mir“-Button!)

Wichtig: Eure Stimmen werden bis zum 19.08.2012 gezählt,

Nominierung Juli 2014: Bernd Lindner/P.M.Hoffmann: Herbst der Entscheidung

Nomjul14Der Berliner Christoph-Links-Verlag hat seine erste Graphic Novel veröffentlicht: „Herbst der Entscheidung – Eine Geschichte aus der Friedlichen Revolution 1989“ von Bernd Lindner und P.M.Hoffmann. 25 Jahre nach der im Titel erwähnten „Friedlichen Revolution“ kann man da eigentlich nichts falsch machen. Oder doch? Man KANN, wenn man beginnt, Geschichte zu glorifizieren oder zu überspitzen. Genau DAS passiert in „Herbst der Entscheidung“ nicht. Dem Autor Bernd Lindner merkt man an, dass er die Geschichte Leipzigs in- und auswendig kennt und dass er die Geschehnisse offenbar damals nicht nur dem Hörensagen nach miterlebt hat. P.M.Hoffmanns dokumentarischer klarer Strich macht die Graphic Novel zu einem unterhaltsamen Geschichtsbuch. Detailverliebt zeichnet Hoffmann die Ereignisse der sich ihrem Ende nahenden DDR, da fehlt weder der RONDO-Kaffee noch die „Titanic“-Zonen-Gaby mit ihrer „ersten Banane“.
„Der 17-jährige Abiturient Daniel, Sohn staatstreuer Eltern, soll sich freiwillig zu drei Jahren Armeedienst verpflichten. Sonst kann er seinen Studienwunsch vergessen. Aber Zweifel am System treiben Daniel um, er haut von zu Hause ab, taucht in die Leipziger Bürgerbewegungsszene ein und verliebt sich in eine der Akteurinnen. Dadurch gerät er immer tiefer in den Sog der Ereignisse der Friedlichen Revolution und muss sich seinen eigenen Weg bahnen ? Eine Geschichte, die vom Erwachsenwerden in stürmischen Zeiten, vor allem aber vom Erwachen politischen Bewusstseins und aktiven Handelns erzählt.
Die erste Graphic Novel, die direkt im Zentrum der Friedlichen Revolution 1989 spielt, einen spannenden Blick in die dortige Bürgerbewegung wirft und zugleich eine packende emotionale Geschichte in faszinierenden Bildern erzählt.“ (Verlagsinfo)
Wenn gegen Ende der Dialog „Dennoch rufen sie lieber nach der deutschen Einheit statt nach sauberer Luft! – Mit der Maueröffnung werden sich auch die Inhalte der Demos wandeln.“ steht, dann zeugt das auch vom Scheitern vieler Ideale der „Wende“jahre und es ist gut, dass dies mit „Herbst der Entscheidung – Eine Geschichte aus der Friedlichen Revolution 1989“ ebenfalls in Erinnerung gerufen wird. Ein Buch über Triumph, Sieg der Freiheit über Diktatur, aber auch ein Buch, was zum Fragen stellen einlädt. Eine Graphic Novel AUS Leipzig, aber nicht nur FÜR Leipzig. Wir gratulieren zur Nominierung und freuen uns auf Bernd Lindner und P.M.Hoffmann im diesjährigen Comicgarten.
-thowi-
http://www.christoph-links-verlag.de
Umfang: 96 Seiten
ISBN: 978-3-86153-775-5
Preis: 14.90 EUR

AUDIO-Link: Interview mit B.Lindner und P.M.Hoffmann in der Sendung „Kunst+Schund“ auf Radio Blau Leipzig am 06.07.2014

k+s-06072014

2014 dabei: Stefanie Czapla

Stefanie Czapla, geboren 1965 in Immerath, spricht sich „Tzschappla“ und nichtSteffi„.
Da Immerath dem großen Bagger zum Opfer fiel und die rheinische Schinkenwurst-Mafia sie als Vegetarierin auf die schwarze Liste der nicht-zu-fördernden-Künstler setzte, verließ sie 2003 das Rheinland und ließ sich in Leipzig nieder.
Hier arbeitet sie als Figurenbauerin und baut Klappmaulfiguren, Handpuppen und so richtig große Walk-Acts für die verschiedensten Auftraggeber.

Manche ihrer Figuren, wie die gestörte Stubenfliege DER Hildegard oder der alte Sack sind gerade dabei, berühmt zu werden. Andere sind es bereits und verlassen, so wie der Grüffelo, Totoro oder der Belantis-Buddel im neuen Outfit/Pelz als zufriedene Kunden Stefanies Atelier.
Bereits zum dritten Mal gestaltet Stefanie den Goldenen Gartenzwerg für den Leipziger Comicgarten und wird selbstverständlich auch persönlich anwesend sein. Wer sie dort verpasst oder gerne mehr über ihre Figuren wissen möchte, der findet alles wichtige hier:
http://www.creature-feature.com

Nominierung Juni 2014: Piet Mannhart/Stefan Dinter: Ninja Koala Nr.2

Nominierungjuni2014Die Feuilletons dieser Welt werden uns nicht loben für diese Nominierung, Comical Correctness (o.ä.) mag man das wohl auch nicht gerade nennen und die Juroren zwischen Erlangen und München werden müde lächeln. NEIN, „Ninja Koala“ ist keine Kleistkreitzkönigsche Graphic Novel und wird es vermutlich nicht einmal in die hinterste Ecke von Hugendubel schaffen. Und trotzdem ist „Ninja Koala“ ein grundehrlicher, unterhaltsamer COMIC, reduziert auf das Wesentliche, was einen COMIC ausmachen sollte: Spaß und Spannung beim Leser, Freude bei den Machern. Die Geschichte vom Ninja Koala hat sein Sohn Piet Stefan Dinter während einer gemeinsamen Autofahrt erzählt und Stefan hat die Geschichte 1:1 so gezeichnet, wie sie ihm berichtet wurde. Erzählt ist der Inhalt schnell: Ein einfacher Koala wird von einem unbekannten Wesen auserkoren, zum NINJA KOALA zu werden und die Welt vor dem Bösen zu schützen.

Braucht es mehr, um trefflich unterhalten zu werden? Nein. Im Comicgarten 2013 erschien Band 1, zum Comicsalon Erlangen 2014 nun Band 2. Darin so wundervolle Sätze wie „Keine Angst! Wir sind liebe Schlangen,“ So einfach vermag nur ein Kinderherz zu erzählen – wir empfehlen „Ninja Koala“ und gratulieren zur Nominierung!                                 thowi

http://www.stefandinter.com  http://zwerchfellverlag.de

nkoalainnen

 

Nominierung Mai 2014: Simon Schwartz: Vita Obscura

nominsimonUnter Mosaik-Fans ist Simon Schwartz seit langem kein Unbekannter mehr. Vor seinem Studium arbeitete er einige Zeit bei den Abrafaxen; seinem Zeichenstil ist es durchaus anzumerken.
Nach dem außergewöhnlich erfolgreichen Debüt, dem als Diplomarbeit entstandenen autobiografischen Album „drüben!”, und der ebenso großartigen Graphic Novel „Packeis” legt Simon Schwartz jetzt ein neues Album vor.
Von 2012 bis 2014 erschien in der Wochenzeitung Der Freitag der Comicstrip „Vita Obscura”, mit dem Simon Schwartz außergewöhnliche Biografien seltsamer Persönlichkeiten in Einseitern schildert. Dazu gehören Joshua Norton, der „Kaiser von Amerika”, „Moondog” Louis T. Hardin, die drei falschen Söhne Iwans des Schrecklichen, der letzte Samurai Onoda Hiro oder die Siamesischen Zwillinge Chang & Eng.
Für die Albenveröffentlichung wurden die vorhandenen Episoden überarbeitet und erweitert sowie einige neue Strips gezeichnet. Bemerkenswert ist, dass jeder Comic in einem anderen, der jeweiligen Biografie angepassten Stil gestaltet ist.
Wir gratulieren zur Nominierung!

Helmut Müller

Simon Schwartz: Vita Obscura, avant-verlag 2014, 72 Seiten, Hardcover, 19,95 €, ISBN 978-3-939080-94-7

obscura

Nominierung April 2014: Mawil: Kinderland

nominmawil14Zuerst: Wir machen es anders als die Kollegen vom Max-und-Moritz-Preis: Wir nominieren „Kinderland“ NACH dem Erscheinen und NACH Kauf und Lektüre. 🙂

Rezension von STEFAN PANNOR:

„Die Emotionen des Lesers durch Vertrautes zu triggern, zählt zu den leichtesten Übungen des Erzählers. Insofern wird dieses Buch, das von den letzten Wochen der DDR aus Teenagerperspektive erzählt, seine begeisterten Leser vor allem bei denen finden, die diese Zeit erlebt haben.

Denn da ist alles da. Nicht nur die Mode und wie die Busse aussahen und wie der Sportunterricht ablief. Sondern auch diese ganze ostdeutsche Achtzigerjahresprache („Orr nee!“) und „Detektiv Pinky“ und überhaupt. Den rauen ostdeutschen Schulhofton – ein Großteil des Heftes spielt in der Schule – trifft Mawil perfekt.“

Wir gratulieren zur Nominierung!

MAWIL. „Kinderland“, REPRODUKT, ISBN 978-3-943143-90-4, 296 Seiten, farbig, 16 x 21 cmkila

Nominierung März 2014: Hubertus Rufledt/Helge Vogt: Alisik 3 „Frühling“

nominierungmaerz14Ja, natürlich ist es außergewöhnlich, wenn ein Werk von uns zweimal für den Goldenen Gartenzwerg nominiert wird. (Anm.: Nominiert war bereits „Alisik 1″ im Jahre 2013) Genau so außergewöhnlich ist aber „ALISIK“ von Helge Vogt und Hubertus Rufledt und außergewöhnlich ist außerdem, dass dieses auf 4 Bände ausgelegte Werk sein hohes Niveau von Band zu Band steigern konnte. Soeben erschien Band 3 „Frühling“, der genügend Gründe für eine erneute Nominierung bietet.

Zum Inhalt: Die Geister des Friedhofes versuchen nahezu vergeblich, aber mit teilweise kurios anmutender Innbrunst, die Vernichtung ihrer „Heimstätte“ aufzuhalten. Alisik steckt währenddessen mehr denn je in der Klemme und hat Gewissensbisse gegenüber Ruben. Denn auch wenn sie ihn liebt, weiß sie, dass es keine Hoffnung gibt. Immerhin ist sie tot, auch wenn ihr die Umstände des ihres Todes immer noch nicht ganz klar sind – aber sie weiß jetzt, dass ihre Schicksale enger miteinander verbunden sind, als sie dachte. Wieso, wird im Band erklärt. Episodenhaft wird auch die Lebens- und Leidensgeschichte des Generals erzählt. Alisik offenbart sich Ruben gegenüber und man darf gespannt sein, was sich hinter dem Grenztor, das die Untoten auf der Flucht vor den Friedhofsvernichtern durchschreiten, in Band 4, der im Frühjahr 2015 erscheint, verbergen mag.

Als erwachsener Leser mag man Zweifel haben, ob diese bittersüße Geschichte adulten Geschmack treffen mag, den Zweiflern kann ich guten Gewissens zur Lektüre raten, ebenso aber der vermeintlichen „Zielgruppe“, welche vermutlich junge Menschen mit Affinität für Gothic und Romantik sein werden.

Hubertus Rufledt erzählt behutsam und trotzdem immer spannend, trotz der vielen kleinen Episoden gerät die Story nie in Gefahr, unübersichtlich zu werden oder sich zu verzetteln. Sogar kleine Scherze (Olsenbande/Trickwelt) werden eingebaut und Helge Vogt zeichnet, als hätte es nie eine andere Alternative für Rufledts Texte gegeben. Das ist traumhafte bittersüße Spannung, das ist meisterhaft!

Wir freuen uns in diesem Zusammenhang, Helge Vogt und Hubertus Rufledt im Comicgarten 2014 begrüßen zu dürfen und gratulieren zur Nominierung!

-thowi-

frrr

Hubertus Rufledt/Helge Vogt: Alisik 3 „Frühling“, 96 Seiten, Carlsen Verlag, 7,99 Euro, ISBN: 978-3551770288

http://youtu.be/HTd6GEVtcrc

http://www.alisik.de