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Nominierung 2016 (03): Sandra Brandstätter – „Paula – Liebesbrief des Schreckens“

Das zu Beginn etwBild_Nominierung_03_Paulaas skeptisch betrachtete Kindercomic-Label von Reprodukt hat sich inzwischen zur kreativen Keimzelle des Verlags gemausert.
Hier erscheinen nicht nur die besten Lizenzcomics im Verlagsprogramm (Luke Pearsons fantastische „Hilda“-Comics etwa), sondern auch die schönsten selbstgemachten Sachen.  „Q-R-T“ von Ferdinand Lutz. „Kiste“ von Wirbeleit und Heidschötter. „Paula“ von Sandra Brandstätter.

Glaubt man der Biografie im Buch, verdient sie ihr Geld mit Animationen für Kindersendungen wie „Die Sendung mit der Maus“ und „Siebenstein“. Das sind die schlechtesten Adressen nicht, vor allem erstere, die seit Jahrzehnten scheinbar mühelos den Spagat schafft, Kinder und Erwachsene gleichermaßen anzusprechen.

Ein Anspruch, den auch „Paula“ in diesem (dem ersten?) Band erfüllt. Die Geschichte von Paula und ihrem heimlichen Liebesbrief und wie sie im Sommerurlaub in zusehends komischeren Eskapaden zu vermeiden versucht, dass ihre Autorenschaft des Zettelchens öffentlich wird, ist konsequent auf kindertauglichem Niveau erzählt. Die Schilderung des Campingplatzes, auf dem Paula mit ihren Eltern ihren Sommerurlaub verbringt, verlässt nie die Augenhöhe der Protagonistin.

Gleichzeitig übersteigt der Comic den reinen Ansatz kindlicher Naivität, den man bei einer solchen Geschichte vermuten könnte. Brandstätters Darstellung des Urlauberbiotops ist von liebenswerter Detailfreude und durchzogen von einer leichten Nostalgie, die sich wohl eher dem erwachsenen Leser eröffnet. Ihre Gestaltung der Figuren ist liebevoll karikierend, hier und da überziehend, aber nie soweit, dass die Geschichte die Haftung in der Realität verliert.

Damit ist „Paula“ das, was die besten Kindercomics sind: nicht nur für Kinder, die Leser aller Altersschichten ernstnehmend – ein Respekt, den Kinder wie Erwachsene zu schätzen
wissen.

Bild_Nominierung_03_Paula_Auszug

Verlag: Reprodukt, 120 Seiten, 18,00
http://www.reprodukt.com/

Tumblr: http://brandstaetter.tumblr.com

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Nominierung 2016 (02): Konrad Lorenz & Isabel Kreitz – „Rohrkrepierer“

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Die eigentlichen Helden in vielen Comics von
Isabel Kreitz sind die Schauplätze des Geschehens. Das gilt für die Hamburger Kanalisation in ihrer „Ralf“-Serie, für Tokyo in „Die Sache mit Sorge“ und für Hannover in „Haarmann“. Immer gelingt es ihr, das typische Flair der Städte und die dargestellte Epoche (zumeist die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts) herauszuarbeiten. In einem Maß, das die Handlung gelegentlich dahinter verschwinden lässt.

Nicht weniger lässt sich für „Rohrkrepierer“ sagen.
Der auf einem autobiographischen Roman beruhende Comic ist zudem eine Rückkehr ins persönlich Vertraute: Hamburg, Isabel Kreitz‘ Heimatstadt.

Auch wenn sie die geschilderte Epoche (ungefähr das erste Jahrzehnt nach dem Krieg) sicher nicht selbst erlebt hat. Man kann der Handlung eine gewisse Banalität nicht absprechen, auch eine gewisse Ereignislosigkeit nicht: Handlungshöhepunkt ist, wie die Hauptfigur einmal Louis Armstrong in Hamburg nicht begegnete. Davor wird gequatscht, Unsinn gemacht, geküsst, geprügelt, abgehangen und noch mehr gequatscht.
Nichts außergewöhnliches.

Allerdings dürfte genau darin der Zweck der Erzählung liegen. Sie ist bis zur äußersten Konsequenz alltäglich und schildert den Schluß der Kindheit und den Beginn der Pubertät unter den spezifischen Bedingungen der Nachkriegsjahre, mit dem neurotisierten kriegsheimkehrenden Vater, den engen moralischen Schranken und allgemein einer Welt, die sich zwischen verleugneter Vergangenheit und noch nicht erahnbarer Zukunft erst einmal selbst finden muss.

„Rohrkrepierer“ ist ein Hamburger Panoptikum aus Seeleuten, Nutten, Säufern, Schlägern, Prügelknaben und Kopftuchomis. Kreitz rekonstruiert eine Welt aus zerbombten Häusern und Neubauten, kurzer Hose, gegelten Haaren. Die Detailfreude, nein, sagen wir: die Detaillust ist atemberaubend. Ein Buch, das auf jeder Seite Atmosphäre atmet.

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Konrad Lorenz und Isabel Kreitz

Verlag: Carlsen, 304 Seiten, 26,99

https://www.carlsen.de/hardcover/rohrkrepierer

Homepage: http://isakreitz.de/

 

Nominierung (7): Flix – „Schöne Töchter“

Dass die Liebe Liebe Liebe viel Spass mache, wissen wir seit 1983, als diese Aussage im Refrain durch die deutschen Charts geisterte. Im Endeffekt war mit dieser Feststellung alles gesagt. Trotzdem arbeiten sich weiterhin unzählige Songwriter, Autoren, Filmemacher, Dichter und so weiter am Thema ab. Überblende Flix: dass Liebe bei ihm ein Kernthema ist, lässt sich nicht leugnen. Schon sein erster Comic „Held“; war im Grunde eine Liebeserklärung an seine damalige Freundin.

Seitdem lassen sich viele seiner Comics, vor allem ein signifikanter Teil seiner täglichen Tagebuchstrips als maturisierende Auseinandersetzung mit dem ewigen Thema lesen. Vorläufiger Höhepunkt ist „Schöne Töchter“, seine in der Tradition klassischer amerikanischer Sonntagsseiten stehende Serie aus dem „Tagesspiegel“. Diese Strips boten nämlich nicht nur Farbe, sondern auch aufgrund ihres Überformates die Möglichkeit zu vielfältiger visueller Gestaltung. Flix nutzt dieses Mittel, wie sich in der chronologischen Lektüre zeigt, mit zunehmender Finesse aus, gestaltet statt einfacher Comics visuelle Teppiche von höchster grafischer Opulenz, spielt mit den Möglichkeiten, eine Geschichte nicht nur als Abfolge von Bildern zu erzählen, sondern aus Bildreihenfolge und Anordnung verschiedenste, manchmal widersprüchliche Geschichten zu erzählen. Über die Liebe. Diese sich immer weiter (und immer noch) steigernde grafische Versiertheit leitet den leser elegant über diese oder jene flaue Pointe hinweg. Ein großes Vergnügen (das Buch ist größer als eine Schallplattenhülle), ein liebreizendes Vergnügen.

 

(Stefan Pannor)

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Carlsen Comics, 128 S.; € 24,99

http://www.carlsen.de/hardcover/schoene-toechter/57850
http://www.der-flix.de/
https://www.facebook.com/DerFlix.de

Nominierung 2015 (6): Marvin Clifford – Schisslaweng

Es gibt ein Leben abseits der Comicszene. Schwer vorstellbar?

Hier der Beweis: als 2014 die Vorabstimmung über den besten Online-Comic für den Max-& -Moritz-Preis des Comicsalon Erlangen gestartet wurde, flutete eine Vielzahl Fans die Abstimmung und votierte für „Schisslaweng“. Ein Strip, der bis dahin in der Comicszene nur begrenzt Aufmerksamkeit erhalten hatte, sich aber, heimlich wie unermüdlich, eine gewaltige Fanbase aufgebaut hatte.

Zurecht, natürlich. Clifford, Berliner, attraktiv, jung, erzählt ganz unverblümt davon, wie es ist, Berliner, attraktiv und jung zu sein – und das Ergebnis ist nicht nur hochkomisch, sondern trifft auch den Nerv der Netizens (und das sind ja heutzutage fast alle) unter 30. Ungewöhnlich für Webstrips: nicht die Pointe steht im Mittelpunkt, sondern der Weg dahin, die verschiedensten Irrungen und Wirrungen durch das Chaos namens Alltag, die sich nicht zuletzt durch Spielereien mit dem Format, hohe, quere und überaus verquere Panels darstellen. Auch das macht Clifford nebenher, er erweitert die Formatsprache des deutschen Webcomics. Aber das wäre egal, wenn „Schisslaweng“ nicht so gnadenlos lustig wäre. Was er zum Glück jedoch ist.

 
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schisslaweng

(Stefan Pannor)

Panini Comics, 64 S.; € 9,99
Leseprobe unter: http://www.mycomics.de/comic/8241-schisslaweng-band-1-schissla-was.html

http://www.schisslaweng.net/
http://www.marvcomics.com/category/schisslaweng
http://marvinclifford.com/schisslaweng/
https://www.facebook.com/marvincliffordartist

Nominierung 2015 (5): Aike Arndt „Das Nichts und Gott“

Sätze, die ich schon immer mal schreiben wollte: Gott ist wieder da.

Vor zweieinhalb Jahren hatte ich auf SPIEGEL-Online gefleht, Arndt möge schnell einen zweiten Band seiner Gott-Abenteuer machen, in denen der Weltenschöpfer ein fassförmiges Wesen ist (Frage: wen hat er da nach seinem Ebenbild geschaffen? Die Tonne?), der Geranien ganz gern hat, jedenfalls lieber als Menschen, und der sich im Clinch mit Bergen und Seen und überhaupt mit der Schöpfung durch den Alltag schlawinert.

Mit Logik und Vernunft ist diesen Comics nicht beizukommen, sie sind in der direktesten Bedeutung des Begriffs phantastisch. Es sind Comics, in denen die Dinge keinen Sinn ergeben, sondern Sinn noch gemacht wird – von Hand, von Arndt, von Gott. Das kann gern so weitergehn.

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(Stefan Pannor)

Zwerchfell, 68 S., 12,00€
http://zwerchfellverlag.de/das-nichts-und-gott/
http://www.aikearndt.de/dnug/

Nominierung 2015 (4): Peter Puck „Rudi – Fett & komplett“

Dieser Band belegt, wie sehr Peter Puck der Comiclandschaft fehlt. Vor rund zehn Jahren beendete er seine monatlichen „Rudi“-Strips, die davor fünfzehn Jahre in diversen Stadtmagazinen gelaufen waren.

Anfangs noch deutlich geprägt von der Underground-Szene der Siebziger- und Achtzigerjahre, mit deutlichem Sponti- und Anarchohumor, entwickelte Puck die Abenteuer des ewigen Punk Rudi nicht nur grafisch innerhalb weniger Jahre bis in atemberaubende Höhen fort, sondern mehr noch erzählerisch: ausgehend von einem festen Figurenpersonal, wurden die Strips zur Chronik des deutschen Zeitenwandels in den Neunzigerjahren, von galligem, zynischen und tiefschwarzen Humor, der vor allem in den Dialogen zum Ausdruck kam, mit denen Puck jede einzelne seiner penibel durchkonstruierten Seiten zufplasterte.

Kein deutscher Comic vor oder nach „Rudi“ hat die Gagdichte jener Onepager erreicht, die sich in extrem kompakt verstautem und verschachteltem Bild- und Wortwitz zeigte. (Einzig Fils „Didi und Stulle“ kommt dem vielleicht halbwegs nahe.) Puck, schon zu Laufzeiten des Strips erfolgreicher Grafiker, hat sich inzwischen ganz vom Comic losgesagt.

Einziger neuer Beitrag des Buches: eine Rahmengeschichte, in deren Verlauf eine Vielzahl Zeichner Puck Tribut zollen, und die – wie passend! – mit einem leeren Panel endet. Wirtschaftlich ist Pucks Entscheidung im Comicentwicklungsland Deutschland nachvollziehbar. Als Comicfan möchte man jedoch rufen: Herr Puck, kommen Sie zurück, wir brauchen Sie!

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(Stefan Pannor)

Egmont Comic Collection, 368 S.; € 39,99
http://www.peter-puck.de/pp_home.html
http://www.rudi-comic.de/

Nominierung 2015 (3): Thomas Bunk – „Von Berlin Nach New York“

Schon der Tonfall klingt märchenhaft: „Noch vor Berlin, da lebte ich in Hamburg.“

Das „ich“ ist Tomas Bunk, und das Unglaubliche kommt danach: wie er sich vom Berliner Bohemé und Hinterhofkünstler zum international gefragten Illustrator hocharbeitet, der nicht nur dabei war, als sich eine deutsche Underground-Comic-Szene entwickelte, sondern später sogar direkt in Amerika für „MAD“ und Art Spiegelmans „RAW“ arbeitete (was er heute noch tut).

In Deutschland galt Bunk trotz beachtlicher Erfolge in den Achtzigerjahren lange Zeit als vergessen, erst der Abdruck von zwei Staffeln autobiographischer Strips 2008 und 2014 in der FAZ brachte ihn wieder ins Gedächtnis der hiesigen Comiclandschaft. Es sind die Strips, die in diesem Buch gesammelt sind, und sie beweisen Bunk als Bindeglied zwischen amerikanischen Comicrevoluzzern wie Crumb und Shelton einerseits und deutschen Wilden wie dem frühen Volker Reiche und Bernd Pfarr andererseits (beide treten im Band auf), der nicht nur Erstaunliches zu erzählen hat, sondern auch extrem versiert darin ist, es zu tun. Ohne antiquiert zu wirken, atmen die Strips den Geist und die Wildheit der Siebziger- und Achtzigerjahre, gleichzeitig eine erzählerische Frische und Unschuld, die mancher allzusehr durchdachten modernen Graphic Novel fehlt. Ein witziges, konzentriertes, vor allem aber sehr amüsantes Lesevergnügen.

(Stefan Pannor)

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Comicplus+, 64 S.; €9,00
http://bunkart.blogspot.de/

Nominierung Februar 2015: Sandy Schmied/André Martini: Leipzig: Stadtführer für Kinder

nominierungmartiniLangweilige Stadtführer für Kinder waren GESTERN! Sandy Schmied/André Martini: Leipzig: Stadtführer für Kinder
„Schluss mit Langeweile! Wir gehen auf Entdeckungstour!“ Dieser Band macht auf unterhaltsame Weise mit der Stadt vertraut und ist der ideale Begleiter in Sachen Spiel und Spaß. Er enthält Bilder und Geschichten der Stadt, außerdem Aufgaben und Rätsel und führt zu den Lieblingsorten kleiner Leipziger: an die Badeseen, zum Kletterwald, in den Park oder eines der Museen. Spielerisch wird die Umgebung erforscht, in den Passagen der Innenstadt oder dem Clara-Zetkin-Park. Kennenlernen kann man bei dieser Leipzig-Tour stadtbekannte Leute und viele spannende Orte.“
So weit der schlichte Backcovertext dieses Stadtführers für Kinder. Und nun fragt man sich mehr oder weniger besorgt: Fällt den Comicgärtnern nichts mehr ein? Ein Kinderstadtführer? Ist das noch Comic?
Und ich gebe zu: Ganz uneigennützig ist diese Nominierung nicht, geht es doch diesmal einfach mal um die STADT DES COMICGARTENS, um LEIPZIG.
Und ANDERS als andere Festivals mit ihren Nominierungen waren wir schon IMMER, wollen wir auch sein…!
Dieses Buch ist besonders. Man merkt der Autorin, Sandy Schmied, und dem Zeichner, André Martini, an, dass sie sich einfach mal in ihrer Stadt auskennen, sie (er)leben. Die Locations, welche die Beiden hier ausgewählt haben, sind genau die, die man selbst als liebenswert empfindet und da ist eben nicht nur von Bekanntem die Rede, vom Zoo oder Belantis, sondern auch bspw, von „Zierlich Manierlich“, einem eher unscheinbaren, aber verträumten (DOCH! Das gibt es!) Imbisswagen am Richard-Wagner-Hain. Sandy arbeitet u.A. für ein Leipziger Stadtmagazin und André ist für mich einer der BESTEN, aber leider (noch?) zu Unrecht unterrepräsentierten Comiczeichner Leipzigs. Und da schließt sich der Kreis: Martinis klarer Comicstrich prädestiniert den Kinderstadtführer geradezu für eine Nominierung für unseren Goldenen Comicgartenzwerg!
Kleiner Wermutstropfen: Die Russische Kirche wird erwähnt und gezeigt, unser COMICGARTEN am gleichen Ort )noch) nicht. KAUFT das Buch, eine Neuauflage KÖNNTE das ändern!
Wir gratulieren zur Nominierung!
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Edition Leipzig; ISBN-10: 3361007097, 80 Seiten, EUR 14,95

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Nominierung Januar 2015: Fabienne Loodts/Saskia Petermann: Karl der Große

nominierungjanuar20152014 war Karlsjahr – sein Todestag jährte sich zum 1.200ersten Mal. Das brachte viele Zeitungsartikel, Bücher und Dokumentationen hervor. Und diesen Comic, der heraussticht, weil er als einer der wenigen zugibt, was wir alles nicht über Karl wissen.

Die Zeigepflicht des Comics kann Verführung und Bürde zugleich sein – und manchmal auch Chance. Alles drei ist sie in „Karl der Große“.

Das Buch ist weniger Biographie als vielmehr Sittenbild des Frankenherrschers und seiner Zeit. Es ist auch gar nicht so sehr Comic im konventionellen Sinn: kürzere und längere Erzählstrecken wechseln sich ab mit doppelseitigen Tableaus, erklärenden Lehrbuchseiten, wenig bis gar nicht illustrierten Texten.

Die Illustrationen, das vorweg, sind wundervoll, fein ziseliert, von einer unterkühlten Distanziertheit. Die Comicsequenzen sind etwas hakelig, nicht völlig stilsicher, diese oder jene Sprechblase sicher unnötige Ablenkung. Dennuch funktioniert das Zusammen spiel aus Text und Comic und illustriertem Buch aufgrund seiner Formenvielfalt, die eben auch gestattet, zu jedem Sujet die Form zu wählen, bei der man sich am sichersten fühlt.

Das alles im Sinn eines hochunsicheren Themas: des Herrschers, der ein europäisches Großreich schuf und eine Großfamilie um sich scharte. Dessen Leben zwar leidlich gut, aber in verschiedenen Quellen widersprüchlich überliefert ist. Von dem Bildnisse existieren, von denen man annehmen muss, dass sie gar nicht Karl selbst zeigen.

„Karl der Große“ macht das Beste aus der vertrackten Lage, indem es vor allem erklärt, was man nicht weiss. War Karl vier oder fünfmal verheiratet – und mit wem eigentlich? Wollte er Kaiser sein, wurde es ihm nahegelegt oder mit Mitteln der Realpolitik aufgezwungen? Wer waren seine Kinder? Wo liegt seine Leiche?

Und vor allem: wie sah er aus? Das Buch beantwortet die Frage nicht. Es zeugt von Mut, die Titelfigur des Buches praktisch nicht zu zeigen, oder wenn, oft genug von hinten. Karl der Große ist eben auch Karl der Anonyme, Karl der Fragen-aufwerfende.

Die Bürde, zu zeigen, wovon man erzählt, lässt das Buch elegant links liegen – die Verführung auch. „Karl der Große“ zeigt nur, was man zeigen kann, was leidlich belegt ist.

Daraus ergibt sich die zersplitterte Natur des Buches, und auch der Wechsel zwischen den Formen, womöglich gar Medien, das Chargieren zwischen Sachbuch und Comic ist völlig schlüssig, womöglich sogar notwendig, um aus einer unsicheren Quellenlage eine überzeugende Biographie zu gestalten.

Wir gratulieren zur Nominierung!

Autor; Stefan Pannor

Fabienne Loodts/ Saskia Petermann: Karl der Große
wesentlich.verlag, 148 S.; €24,90