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Nominierung (7): Flix – „Schöne Töchter“

Dass die Liebe Liebe Liebe viel Spass mache, wissen wir seit 1983, als diese Aussage im Refrain durch die deutschen Charts geisterte. Im Endeffekt war mit dieser Feststellung alles gesagt. Trotzdem arbeiten sich weiterhin unzählige Songwriter, Autoren, Filmemacher, Dichter und so weiter am Thema ab. Überblende Flix: dass Liebe bei ihm ein Kernthema ist, lässt sich nicht leugnen. Schon sein erster Comic „Held“; war im Grunde eine Liebeserklärung an seine damalige Freundin.

Seitdem lassen sich viele seiner Comics, vor allem ein signifikanter Teil seiner täglichen Tagebuchstrips als maturisierende Auseinandersetzung mit dem ewigen Thema lesen. Vorläufiger Höhepunkt ist „Schöne Töchter“, seine in der Tradition klassischer amerikanischer Sonntagsseiten stehende Serie aus dem „Tagesspiegel“. Diese Strips boten nämlich nicht nur Farbe, sondern auch aufgrund ihres Überformates die Möglichkeit zu vielfältiger visueller Gestaltung. Flix nutzt dieses Mittel, wie sich in der chronologischen Lektüre zeigt, mit zunehmender Finesse aus, gestaltet statt einfacher Comics visuelle Teppiche von höchster grafischer Opulenz, spielt mit den Möglichkeiten, eine Geschichte nicht nur als Abfolge von Bildern zu erzählen, sondern aus Bildreihenfolge und Anordnung verschiedenste, manchmal widersprüchliche Geschichten zu erzählen. Über die Liebe. Diese sich immer weiter (und immer noch) steigernde grafische Versiertheit leitet den leser elegant über diese oder jene flaue Pointe hinweg. Ein großes Vergnügen (das Buch ist größer als eine Schallplattenhülle), ein liebreizendes Vergnügen.

 

(Stefan Pannor)

flix_schoene-toechter

 

Carlsen Comics, 128 S.; € 24,99

http://www.carlsen.de/hardcover/schoene-toechter/57850
http://www.der-flix.de/
https://www.facebook.com/DerFlix.de

Nominierung 2015 (6): Marvin Clifford – Schisslaweng

Es gibt ein Leben abseits der Comicszene. Schwer vorstellbar?

Hier der Beweis: als 2014 die Vorabstimmung über den besten Online-Comic für den Max-& -Moritz-Preis des Comicsalon Erlangen gestartet wurde, flutete eine Vielzahl Fans die Abstimmung und votierte für „Schisslaweng“. Ein Strip, der bis dahin in der Comicszene nur begrenzt Aufmerksamkeit erhalten hatte, sich aber, heimlich wie unermüdlich, eine gewaltige Fanbase aufgebaut hatte.

Zurecht, natürlich. Clifford, Berliner, attraktiv, jung, erzählt ganz unverblümt davon, wie es ist, Berliner, attraktiv und jung zu sein – und das Ergebnis ist nicht nur hochkomisch, sondern trifft auch den Nerv der Netizens (und das sind ja heutzutage fast alle) unter 30. Ungewöhnlich für Webstrips: nicht die Pointe steht im Mittelpunkt, sondern der Weg dahin, die verschiedensten Irrungen und Wirrungen durch das Chaos namens Alltag, die sich nicht zuletzt durch Spielereien mit dem Format, hohe, quere und überaus verquere Panels darstellen. Auch das macht Clifford nebenher, er erweitert die Formatsprache des deutschen Webcomics. Aber das wäre egal, wenn „Schisslaweng“ nicht so gnadenlos lustig wäre. Was er zum Glück jedoch ist.

 
SCHISSLAWENGBAND1

schisslaweng

(Stefan Pannor)

Panini Comics, 64 S.; € 9,99
Leseprobe unter: http://www.mycomics.de/comic/8241-schisslaweng-band-1-schissla-was.html

http://www.schisslaweng.net/
http://www.marvcomics.com/category/schisslaweng
http://marvinclifford.com/schisslaweng/
https://www.facebook.com/marvincliffordartist

Nominierung 2015 (5): Aike Arndt „Das Nichts und Gott“

Sätze, die ich schon immer mal schreiben wollte: Gott ist wieder da.

Vor zweieinhalb Jahren hatte ich auf SPIEGEL-Online gefleht, Arndt möge schnell einen zweiten Band seiner Gott-Abenteuer machen, in denen der Weltenschöpfer ein fassförmiges Wesen ist (Frage: wen hat er da nach seinem Ebenbild geschaffen? Die Tonne?), der Geranien ganz gern hat, jedenfalls lieber als Menschen, und der sich im Clinch mit Bergen und Seen und überhaupt mit der Schöpfung durch den Alltag schlawinert.

Mit Logik und Vernunft ist diesen Comics nicht beizukommen, sie sind in der direktesten Bedeutung des Begriffs phantastisch. Es sind Comics, in denen die Dinge keinen Sinn ergeben, sondern Sinn noch gemacht wird – von Hand, von Arndt, von Gott. Das kann gern so weitergehn.

aike_arndt_DasNichtsUndGott

(Stefan Pannor)

Zwerchfell, 68 S., 12,00€
http://zwerchfellverlag.de/das-nichts-und-gott/
http://www.aikearndt.de/dnug/