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Nominierung 2015 (5): Aike Arndt „Das Nichts und Gott“

Sätze, die ich schon immer mal schreiben wollte: Gott ist wieder da.

Vor zweieinhalb Jahren hatte ich auf SPIEGEL-Online gefleht, Arndt möge schnell einen zweiten Band seiner Gott-Abenteuer machen, in denen der Weltenschöpfer ein fassförmiges Wesen ist (Frage: wen hat er da nach seinem Ebenbild geschaffen? Die Tonne?), der Geranien ganz gern hat, jedenfalls lieber als Menschen, und der sich im Clinch mit Bergen und Seen und überhaupt mit der Schöpfung durch den Alltag schlawinert.

Mit Logik und Vernunft ist diesen Comics nicht beizukommen, sie sind in der direktesten Bedeutung des Begriffs phantastisch. Es sind Comics, in denen die Dinge keinen Sinn ergeben, sondern Sinn noch gemacht wird – von Hand, von Arndt, von Gott. Das kann gern so weitergehn.

aike_arndt_DasNichtsUndGott

(Stefan Pannor)

Zwerchfell, 68 S., 12,00€
http://zwerchfellverlag.de/das-nichts-und-gott/
http://www.aikearndt.de/dnug/

Nominierung 2015 (3): Thomas Bunk – „Von Berlin Nach New York“

Schon der Tonfall klingt märchenhaft: „Noch vor Berlin, da lebte ich in Hamburg.“

Das „ich“ ist Tomas Bunk, und das Unglaubliche kommt danach: wie er sich vom Berliner Bohemé und Hinterhofkünstler zum international gefragten Illustrator hocharbeitet, der nicht nur dabei war, als sich eine deutsche Underground-Comic-Szene entwickelte, sondern später sogar direkt in Amerika für „MAD“ und Art Spiegelmans „RAW“ arbeitete (was er heute noch tut).

In Deutschland galt Bunk trotz beachtlicher Erfolge in den Achtzigerjahren lange Zeit als vergessen, erst der Abdruck von zwei Staffeln autobiographischer Strips 2008 und 2014 in der FAZ brachte ihn wieder ins Gedächtnis der hiesigen Comiclandschaft. Es sind die Strips, die in diesem Buch gesammelt sind, und sie beweisen Bunk als Bindeglied zwischen amerikanischen Comicrevoluzzern wie Crumb und Shelton einerseits und deutschen Wilden wie dem frühen Volker Reiche und Bernd Pfarr andererseits (beide treten im Band auf), der nicht nur Erstaunliches zu erzählen hat, sondern auch extrem versiert darin ist, es zu tun. Ohne antiquiert zu wirken, atmen die Strips den Geist und die Wildheit der Siebziger- und Achtzigerjahre, gleichzeitig eine erzählerische Frische und Unschuld, die mancher allzusehr durchdachten modernen Graphic Novel fehlt. Ein witziges, konzentriertes, vor allem aber sehr amüsantes Lesevergnügen.

(Stefan Pannor)

Bung-Gartenzwerg

Comicplus+, 64 S.; €9,00
http://bunkart.blogspot.de/