2016 dabei: Björn Hammel

Der Buchhäbjoernndler, Mediengestalter und Informatiker war Mitherausgeber des Comic-Fanzines „SI-Kartuun“ und ist Autor der Graphic Novel „TearTalesTrust“. Seit 2006 erscheinen seine Strips um das anarchische Comicduo „Kater + Köpcke“ auf „kultur-in-bonn.de“.

Ferner veröffentlicht er seit 2015 regelmäßig Gemälde aus Köpckes Kunstsammlung
„100 Pictures Of Great Unimportance“, deren Bedeutung nicht überschätzt werden kann.

Als Comicforscher hat er 2014 die weltweit erste Monografie über Webcomics veröffentlicht („Webcomics. Einführung und Typologie“ im Chr. A. Bachmann Verlag). Außerdem arbeitet er dieser Tage an dem schönsten fantastischen Roman, den er je geschrieben hat.

Pünktlich zum Comicgarten erscheint die erste Episodekamaeleon des in Kollaboration mit Sascha Dörp entstandenen Comics „Kamäleon“ („Präludium“, 12 S., A4): eine deutschsprachige Superhelden-Saga um den fiktiven Kölner Musiker und Zeichner Leon, der zwischen Einbildung und Wirklichkeit (vielleicht) nicht mehr so genau unterscheiden kann. Den exklusiven Release des Heftchens feiern Sascha und Björn am 3. September 2016 auf dem Comicgarten in Leipzig. Besucher des Comicgartens sind herzlich eingeladen mitzufeiern.

Mehr über Björn findet hier hier www.badham.de

2016 dabei: Sascha Gallion

Zsascha_3um ersten Mal mit von der Partie ist dieses Jahr Sascha Gallion, geboren 1974 in Mosbach und lebt zur Zeit in Heidelberg. Neben seiner Arbeit als Betriebsleiter einer Kletterhalle arbeitet er als Freier Illustrator und Comic-Zeichner. Seit Mitte 2009 veröffentlicht er alles rund um seine aktuellen Projekte auf seinem Comic-Blog „Handschuhfisch“.

2013 hat er am Int. Comic-Zeichner-Seminar 2013 teilgenommen und veröffentlichte bisher u.a. Kurz-Comics in Jazam! #4 – 11, Panik Elektro #7 (Schwarzer Turm) und in den Comic-Magazinen Awzum und Comix.

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mehr über Sascha findet ihr auf
www.handschuhfisch.de

 

2016 dabei: puvo productions

Seit 2004 zeichnejosephineMarkt und illustriert Josephine Mark unter dem Decknamen puvo productions.Ihre Cartoons und Comicstrips werden von allerlei Getier bevölkert: gemobbte Zootiere, pöbelnde Mini-Koalas, verzweifelte Gecko-Fensterputzer.

Und zwischendrin philosophiert FINK über die Wundersamkeiten des Lebens…. Auch in diesem Jahr hat sie wieder ihre magische Cartoonkärtchen-Kiste dabei, den Cartoonkalender 2017 und ihr nagelneues Buch „Fink über…“ frisch aus der Presse.

 

 

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Mehr über puvo productions findet ihr hier:

Website: puvoproductions.com

Portfolio: http://puvoproductions.com/portfolio/

Facebook: facebook.com/puvoproductions

Abstimmung zum Goldenen Gartenzwerg geöffnet!

Ab sofort könnt ihr für euren Lieblingscomic unter den neun Nominierten abstimmen.

Nominiert sind:
01: Ulf Salzmann – „Flausen und eine Nacht“
02: Konrad Lorenz & Isabel Kreitz – „Rohrkrepierer“
03: Sandra Brandstätter – „Paula – Liebesbrief des Schreckens“
04: Tobi Dahmen –“Fahrradmod“
05: Inga Steinmetz – „Schneeballens Fall“
06: Haggi – „Der Hartmut erobert Amehricka“
07: Reinhard Kleist – „Berliner Mythen“
08: Mawil – „The Singles Collection“
09: Johannes Kretzschmar – „Beetlebum“

Zum Voting gehts hier.

Nominierung 2016 (09): Johannes Kretzschmar – „Beetlebum“

Seit 2005 publiziert Johannes Kretzschmar seine Comics als Beetlebum, und seitdem hat der Blog eine erstaunliche Karriere hingelegt: als vermutlich die Anlaufadresse schlechthin für comiclesende Nichtcomicleser. Also für Menschen, die schon Comics lesen (sonst würden sie den Blog nicht besuchen), sich aber selbst nicht in das breite Spektrum der Comicleser einordnen.

Wie hat Kretzschmar das geschafft? Natürlich, eine Verlinkung bei Stefan Niggemeier hilft. Zuallererst aber ist da die liebenswürdige Abseitigkeit des Themas seines Blogs: der Alltag eines Informatikers.

Kretzschmar betrachtet das ganze Leben aus den Augen eines Menschen, der in Tabellenkalkulation und der Übersetzungs ins Abstrakte denkt. Seine Strips brechen Alltäglichkeiten, vom Hamsterhaben bis zum Friseurbesuch, auf Formeln, Muster, Schemata runter – bzw. brechen diese sein leben auf eine begreifbare Menge hinab.
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Das ist Absurdität par excellence. Vor allem aber, trotz seines zunächst einmal abschreckend klingenden Ansatzes, ungeheuer nachvollziehbar, mit Selbstironie und doch logischer Akuratesse erzählt. Womöglich ist an Kretzschmar ein Pädagoge verloren gegangen, der die Grundlagen strukturierten Denkens besser erörten kann als die meisten, die das beruflich tun.

Homepage: http://blog.beetlebum.de/

Nominierung 2016 (08): Mawil – „The Singles Collection“

Singles_Collection_Cover.inddMawil ist ein Meister der kurzen Form.
Ehe wir uns falsch verstehen: auch seine langen Comics sind sehr gut. Oft freilich haftet ihnen etwas Konstruiertes an. Sie wirken zu geplant, was sich nicht zuletzt mit dem immer etwas unaufgeräumten Strich des Berliner Zeichners beißt.

In meinen Augen ist Mawil da am besten, wo er notfalls auch etwas ungeplant durcherzählen kann. Da, wo nicht jede Pointe sitzt. Da, wo die eine oder andere Idee versandet. Scheitern als Chance: da wo die Freiheit am Größten ist.

In diesem Sinne sind Mawils seit 2006 im „Tagesspiegel“ erscheinende Strips gelebte Unorganisiertheit. Sie folgen keinem Muster, haben kein übergeordnetes Thema, teilen sich allerhöchstens den Kanon der Hauptfiguren mit Mawils übrigen Comics: ein Mann, ein Hase, ein Fahrrad.

Aber die Vielfalt der Formen! Das immer neue Ausreizen der Möglichkeiten, die das vorgegebene Format der halben Tageszeitungseite bietet!

Mawil ist mal ungebremst autobiografisch, manchmal auch narzisstisch, mal dem poetischen und mal dem schieren Nonsens verpflichtet, und passt wie kein anderer die grafische Gestaltung dem Thema des jeweiligen Strips an: sauber ausgearbeitete Bleistiftzeichnungen treffen auf Buntstiftgeschmier, ordentlich aufgerissene Seiten auf scheinbar chaotische Wimmelstrips, kindliche Naivität auf erwachsene Abgebrüht heit.

Und das alles erzählt im für Mawil typischen lakonischen Tonfall, der die humoristische Fallhöhe erzeugt.

Ein atemberaubend schöner Band, der in seiner Vielfalt gleich ein Dutzend Graphic Novels ersetzt.

Verlag: Reprodukt, 196 Seiten, 29,00€
http://www.reprodukt.com/produkt/comics/the-singles-collection/

Bild_Nominierung_08_mawilHomepage: http://www.mawil.net/
https://www.facebook.com/mawil.net/

Nominierung 07: Reinhard Kleist – „Berliner Mythen“

Berlin-Comics sind eine so neue Idee nicht, wir kennen sie von Isabel Kreitz und Jason Lutes und vielen anderen. Die Stadt hat eine Mythologie, die sie nicht nur für deutsche Comiczeichner anziehend macht.

„Berliner Mythen“ mag also w06_Kleistie ein Aufguß wirken. Zumal das Cover wneig neues verspricht: da sehen wir David Bowie und Marlene Dietrich, zwei prägende, aber eben auch sehr oft künstlerisch verarbeitete Gestalten des 20. Jahrhrhunderts.

Im Innenteil wird es zum Glück besser. Kleist, in den letzten Jahren vor allem mit langen Comics in Erscheinung getreten, erforscht die Freiheit der kurzen Form, die hier von einer bis sechs Seiten variiert, und erzählt größtenteils eher randständige Geschichten der Berliner Vergangenheits-Saga.
Das sind Mauer-Geschichten, Rosinenbomber-Geschichten, Kalter-Kriegs-Geschichten, Rückgriffe auf die napoleonische und wilheliminische Ära, auf die frühen Tage des motorisierten Fliegens (Berlin spielt immerhin die zentrale Rolle in der Entwicklung der motorisierten Luftfahrt). Auch die Recherche ist größtenteils geglückt, nur mit ostdeutscher Musik kennt sich Kleist sichtlich nicht aus und greift daneben, wenn Mitte der Siebzigerjahre ein Song der Achtzigerjahre-Band Silly läuft. Geschenkt. Kann man in Nachauflagen ja ändern.

Manche Geschichten sind historisch etwas bedeutsamer, wie die von der CIA-Abhörorganisation an der Grenze. Die meisten sind klein, randständig. Manche zurecht, Alltagsschicksale. Andere, wie die des Boxers Johann Trollmann, der im KZ umkam, sind von der Geschichte kleingehalten worden, aus Gründen, über die man spekulieren kann.

Sich formal wie inhaltlich auf das kleine zu beschränken, zeigt größtenteils einen entspannteren Kleist. Hier haben wir einen neuen Kleist, neben dem dokumentarischen Kleist der Graphic Novels und dem vom Horror beeinflußten frühen Kleist einen witzigen, gelegentlich zu Slapstick und Albernheiten neigenden Kleist.

Und neben vielem anderen macht „Berliner Mythen“ klar, wie wichtig die kurze Form für den Comic ist. Es sei betont: ab und an auch mal kürzere Comics zu machen, kann nicht nur den Zeichner entspannen, sondern auch den Leser.

Verlag: Carlsen, 96 Seiten, 14,99€
https://www.carlsen.de/softcover/berliner-mythen

http://www.reinhard-kleist.de/

Nominierung 06: Haggi – „Der Hartmut erobert Amehricka“

Seit mehr als zwanzig Jahren erscheinen die ganzseitigen Strips um den kleinen Hartmut, und auf den ersten Blick scheint gleich klar, warum der Zeichner sie gerne macht: es sind Strips ganz aus Strichmännchen in einer Strichmännchenwelt. Sie lassen sich ziemlich schnell zeichnen.

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Aber mit ihrer radikalen grafischen Vereinfachung haben sie nicht nur eine Vielzahl Online-Strips und Memes vorweggenommen. Der Hartmut ist nicht bloß eine Art Strichmännchen-Califax, der komisch redet bzw. schreibt (in einem Duktus, der alle orthografischen Regeln ignoriert, aber mit System!) und sich schnell produzieren läßt, sondern eine der wandlungsfähigsten deutschen Comicfiguren.
Davon zeugen nicht nur die mehreren hundert Strips – die den Hartmut übrigens zu einer der
umfangreichsten deutschen Comicstrip-Serien machen – sondern auch zwei Taschenbücher mit
langen Abenteuern vom Hartmut, zwei Herr-der-Ringe-Parodien, mindestens ein Bastelbogen und das umfangreiche Haggimon-Suchspiel.
Zeitweilig war der Hartmut das Maskottchen der Comicabteilung des Carlsen-Verlags. Inzwischen scheint er wieder bei seinen Anfängen und ganz bei sich angekommen zu sein: bei Gringo Comics, die seit einigen Jahren das Oeuvre der Hartmut-Strips chronologisch nachdrucken.
Schon die schiere Menge muß beeindrucken. Das würde freilich nicht genügen, die Comics gut zu finden.
Die Hefte und Büchlein vom Hartmut sind Musterbeispiele von Nonsens und absurdem Humor, der durch seine naive grafische Anmutung vordergründig auf der kindlichen Ebene funktioniert (auch Kinder dürften viel Spaß an den manchmal grenzwertigen Kalauern und visuellen Gags haben), aber natürlich zunächst einmal den Humor seines Zeichners und seiner ungefähr gleichaltrigen Zielgruppe bedienen.
In vielen Momenten sind die Comics vom Hartmut sanfte Satire, getragen von elegantem Nonsens, ähnlich den Comics von Goscinny oder den besseren Seiten von MAD. In vielen anderen Momenten sind sie einfach nur Nonsens. Ehe wir uns falsch verstehen: das ist nicht abwertend gemeint. Es gibt in Deutschland zu wenige Nonsens-Comics, und selbst wenn es mehr davon gäbe, wäre der Hartmut einer der besten davon.
Verlag: Gringo Comics, 58 Seiten, 7,90€